Calw 16.10.2025 – Wir wurden von einer Leserin aus Simmozheims gebeten doch die Argumente der lokalen Windkraftgegner aufzugreifen, um in einen faktenbasierten Dialog zu kommen. Hier unsere Antwort:
Sehr geehrte Leserin,
Die BI Windkraft Pro Lindenrain konnte im Unterschied zu Simmozheim bereits auf eine fertige Planung des Projektierers und späteren Betreibers Alterric zurückgreifen. Wir wissen also wo jedes Windrad stehen wird und haben sogar von professionellen Firmen erstellte Ansichten mit den zukünftigen Windrädern wie auch exaktes Kartenmaterial über jeden Standort und die Zuwegung.
Diese Informationen gibt es in Simmozheim noch nicht und deswegen ist hier auch viel Spekulation. Der Vorteil der jetzigen Situation beim Windpark Lindenrain ist, dass wir zusammen mit Natur- und Artenschutz Experten genau jeden Aufstellort anschauen konnten und hier im Rahmen der ökologischen Ausgleichsmaßnahmen keine Bedenken sehen, dass irgendwelche Biotope oder Tiere geschädigt werden.
Aus verlässlichen Quellen kennen wir aber auch die Biotope im Gerechtigkeitswald in Simmozheim und deren Sensibilität. Es geht nicht darum Windkraft und damit die Windräder, um jeden Preis überall hinzustellen, sondern der Prozess sieht eine sorgfältige Abwägung über die Region und das Land Baden-Württemberg vor. Wie uns Herr Klein vom Regionalverband Nordschwarzwald dargelegt hat, sind im Vorfeld schon viele potentielle Vorrangflächen aus vielerlei Gründen nicht weiterverfolgt worden, bei denen auch die visuelle Umzingelung eine Rolle gespielt hat.
Selbst wenn sich im Bürgerbegehren eine Gemeinde für die Verpachtung der eigenen Flächen im Vorranggebiet an einen Projektierer entscheidet, sind immer noch viele Gutachten notwendig und Bedenkenträger werden gehört.
Allerdings können wir als Gesellschaft uns nicht vor der Verantwortung drücken und auch hier in unserer Region einen Beitrag für den Klimaschutz beitragen, da kann man sich an den „sanften“ Riesen stören, aber wir brauchen sie, damit unsere Welt enkelfähig bleibt.
11 Mythen – 11 frische Wahrheiten über Windräder
Ein Beitrag aus der beliebten Reihe: „Fakten statt Föhnfrisuren“. Heute klären wir 11 oft gehörte Aussagen über Windkraft – mit einem Augenzwinkern, aber festem Stand im Wirklichkeitswind.
1. „Windräder sind zu laut!“
Richtig, sie machen Geräusche – genau wie der Wind selbst. Laut Umweltbundesamt sind moderne Anlagen jedoch so konstruiert, dass sie die TA Lärm-Grenzwerte streng einhalten. Zum Vergleich: Ein Rasenmäher schafft 90 Dezibel, ein Windrad in 500 m Entfernung etwa 35–45 dB – also ungefähr Wohnzimmerniveau. Wer da noch Lärm hört, hat sehr gutes Gehör – oder einen sehr leisen Nachbarn.
2. „Die roten Lichter blinken Tag und Nacht!“
Seit 2025 gilt in Deutschland die bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung (BNK). Heißt: Die Lampen blinken nur noch, wenn ein Flugzeug in der Nähe ist. Für alle anderen bleibt die Nacht so dunkel, dass man seinen Hausschlüssel wieder verlieren kann.
3. „Tiere flüchten panisch vor Windrädern!“
Die Natur hat schon Schlimmeres überstanden als Rotorblätter. Studien zeigen, dass Tiere sich an Windparks gewöhnen. Der Auerhahn mag zunächst skeptisch sein – aber spätestens, wenn er merkt, dass der Mensch dann dort seltener spazieren geht, entspannt er sich wieder.
4. „Windräder zerstören die Landschaft!“
Ehrlich: Wer täglich unter Stromleitungen, Autobahnen und Drohnen wohnt, sollte bei 3 Windrädern nicht plötzlich das ästhetische Empfinden entdecken. Landschaften verändern sich ständig – nur Windräder verhindern wenigstens den Klimawandel, der Landschaften sonst wirklich zerstört.
5. „Im Wald Windräder bauen? Wahnsinn!“
Falsch. Über 20 Prozent aller Windräder in Deutschland stehen auf forstwirtschaftlichen Flächen. Und jedes Projekt durchläuft eine Umweltprüfung. Eingriffe müssen durch Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden – etwa Aufforstung, Biotopaufwertung oder Artenschutzprogramme. Wald und Windnutzung können Freunde sein – sie teilen ja das gleiche Element: Luft.
6. „Die sind ja gigantisch!“
Ja, moderne Windräder erreichen teils 250 m. Aber Größe ist keine Schande, wenn sie was leistet: Eine einzige moderne Anlage versorgt bis zu 10.000 Menschen mit Strom. Der Eiffelturm dagegen liefert nur Aussicht und Postkarten.
7. „Bei uns weht doch kaum Wind!“
Da weht mehr, als man denkt. Moderne Anlagen sind für Schwachwindstandorte optimiert. Dank langer Rotoren nutzen sie bereits leichte Brisen effizient – sogar im Schwarzwald. Wenn also die Frisur flattert, ist genug Energie drin.
8. „Für jedes Windrad wird ein Hektar Wald plattgemacht!“
Beim Bau ja, kurzfristig. Danach wird die Fläche größtenteils renaturiert. Der eigentliche Fundamentbereich beträgt nur wenige Hundert Quadratmeter – kleiner als der Parkplatz vorm Baumarkt. Rundherum wächst alles weiter, nur jetzt mit nachhaltiger Stromversorgung.
9. „Die Bauzeit ist eine Zumutung!“
6–12 Monate dauert der Bau. In dieser Zeit herrscht Schwerlastverkehr, das stimmt. Aber manche Autobahnverbreiterung dauert länger als 14 Jahre und Stuttgart 21 ist immer noch nicht fertig.
Hier fließt kein Verkehr und fährt kein Zug, sondern wichtiger Strom – ohne das fährt kein E-Auto und kein Zug!
Mehr Wind für klare Köpfe – und weniger für Panikmühlen.
10. „Profitieren nur Investoren!“
Kommt drauf an, ob man mitschneidet. Bürgerenergiegesellschaften und kommunale Beteiligungen ermöglichen, dass auch Gemeinden profitieren. Während fossile Konzerne ihre Gewinne offshore bunkern, bleibt beim Windprojekt das Geld oft direkt im Ort – heimische Wertschöpfung statt Ölimport.
11. „Das Trinkwasser ist in Gefahr!“
Das Umweltbundesamt und die hessische Energieagentur geben Entwarnung: Windräder dürfen gar nicht in Wasserschutzzonen gebaut werden, und die Gefahr für Grundwasser ist nicht höher als bei jedem anderen Bauprojekt. Wer also seinem Kaffee traut, kann ruhig weiter Windstrom trinken.
Fazit:
Wenn heiße Luft Energie erzeugen könnte, wären viele Debatten längst CO₂-neutral.
Da das leider noch nicht klappt, übernehmen Windräder weiter den Job – leise, effizient und ohne Stammtischgeräusche.
Literaturverzeichnis:
1. Umweltbundesamt (UBA) – Lärm von Windenergieanlagen
Quelle: Umweltbundesamt. Lärm von Windenergieanlagen. Dessau-Roßlau, 2024.
URL: https://www.umweltbundesamt.de/themen/laerm/nachbarschaftslaerm-laerm-von-anlagen/laerm-von-windenergieanlagen
Kernaussagen:
- Lärm von Windenergieanlagen wird durch TA Lärm bewertet.
- Grenzwerte müssen bei Genehmigung zwingend eingehalten werden.
- Schutz der Nachbarschaft ist rechtlich vorgeschrieben (§6 BImSchG).
2. Umweltbundesamt – Forschungsbericht „Geräuschwirkungen bei der Nutzung von Windenergie an Land“ (TEXTE 69/2022)
Autoren: Sebastian Schmitter et al.
Herausgeber: Umweltbundesamt, Fachgebiet I 2.4 Lärmminderung bei Anlagen und Produkten
Abschlussdatum: September 2021, veröffentlicht 2022.
URL: UBA-Publikation, PDF
Kernaussagen:
- Median der Modulationstiefe: 1,5 – 2,5 dB.
- Infraschallpegel stets unterhalb der Hörschwelle (DIN 45680).
- Wahrnehmbare Lästigkeit steigt erst oberhalb von etwa 35 dB(A).
- Messungen belegen: überwiegend geringe Belästigung durch Windenergieanlagen.
3. BDEW – Bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung (BNK)
Titel: Bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung – ab 2025 Pflicht für Windparks
Veröffentlichung: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW), 18. Dezember 2024.
URL: https://www.bdew.de/energie/bedarfsgesteuerte-nachtkennzeichnung-zum-1-januar-2025/
Kernaussagen:
- Blinklichter aktivieren sich nur bei Annäherung eines Luftfahrzeugs.
- Umsetzungsfrist für ältere Anlagen bis Ende 2025.
4. Fachagentur Wind und Solar – Schallschutz, Standort, Waldnutzung
Titel: Befeuerung und Schall – Hinweise für Betreiber und Kommunen
Veröffentlichung: Fachagentur Windenergie, aktualisiert 2023.
Kernaussagen:
- BNK reduziert Lichtimmissionen drastisch.
- Forststandorte erfordern ökologische Ausgleichsmaßnahmen.
- Typische Fundamentfläche liegt unter 0,1 ha.
5. Bundesamt für Naturschutz (BfN) – Windenergie im Wald
Titel: Windenergie im Wald – Arten- und Naturschutzfachliche Bewertung und Handlungsempfehlungen
Veröffentlichung: März 2022.
Kernaussagen:
- 20 % der deutschen Windparks stehen auf forstwirtschaftlichen Flächen.
- Wald-Wind-Projekte nur mit ökologischer Abwägung und Ausgleichszwang zulässig.
6. BR24 – Faktenfuchs: „Nein, Windräder gefährden das Grundwasser nicht“
Veröffentlichung: Bayerischer Rundfunk, Redaktion Wissen, 2024.
URL: https://www.br.de/nachrichten/wissen/nein-windraedersind-keine-besonderegefahr-fuer-dasgrundwasser-faktenfuchs
Kernaussagen:
- Kein belegter Fall von Grundwasserkontamination durch Windkraftfundamente.
- Bau erfolgt außerhalb von Wasserschutzzonen und nach behördlicher Aufsicht.
- Vergleichsweise geringeres Risiko als Straßen- oder Gebäudebauten.
7. Umweltbundesamt & Energieatlas Bayern – Windenergie in Schwachwindgebieten
Titel: Windenergie ist auch in Schwachwindgebieten rentabel
Veröffentlichung: Bayerisches Landesamt für Umwelt, Energieatlas Bayern, 2023.
Kernaussagen:
- Moderne Großanlagen liefern auch bei mittleren Windgeschwindigkeiten (4,5–6 m/s) hohe Energieerträge.
- Wirtschaftlichkeit durch größere Rotorblätter und variable Leistungsregelung gesichert.
8. Naturwald Akademie (2025): „Viel Wind um die Windkraft im Wald“
Veröffentlichung: 14. April 2025.
Kernaussagen:
- Waldbestände können integriert genutzt werden.
- Windkraft trägt aktiv zu regionalem Klimaschutz bei.
