Calw 18.10.2025 – Als Reaktion auf unseren Artikel Frage einer Leserin aus Simmozheim zu „11 Fragen – 11 Antworten“ erhielten wir eine Zuschrift mit einem Kommentar von unserem BI PWL Mitglied Holger Engelland.
Hallo BI Pro Windkraft Lindenrain (PWL),
Erst mal vielen Dank an das gesamte Team. Ich finde es super, dass man in der BI PWL nicht länger zusieht, sondern auch die Fakten sprechen lässt, keine einfache Antworten und Informationen liefert bzw. warum es den ein oder anderen Kompromiss gibt.
Wie kann es sein, dass Bürgerinitiativen gegen Windkraft unbeirrt falsche Behauptungen verbreiten und trotzdem Gehör finden? Erst mal war ich sprachlos vor so viel Gegenwind Getöse. Manchmal bleibt mir buchstäblich der Mund offen stehen mit dieser stupiden Verbreitung von Fakenews und alternativen Fakten der meisten BIs gegen die Windkraft. Es ist jetzt die fünfte Bürgerinitiative gegen Windkraft, die um uns herum entsteht. In Zeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) scheint es so einfach zu sein mal auf Knopfdruck ein paar Phrasen und Panikmache, ohne jegliche wissenschaftlichen Argumente immer und immer wieder raus zu hauen. Um mit Wolfgang Thierse zu sprechen, braucht man in unserer Gesellschaft ja auch keine Sanktionen zu fürchten wenn man einfache Lösungen und Scheinargumente verbreitet.
Inspiriert von der Zahl 11 und Halloween in Greifweite würde meine Antwort auf die Gegner der Windkraft deutlich satirischer ausfallen als Eure abgewogene Antwort und bietet etwas Humor gegen heiße Luft:
11 Mythen vom Winde verweht
1. Kann man Windräder hören?
Ja. So wie man auch Bäume rauschen, Kühe muhen und Motorräder brummen hört. Der Unterschied: Windräder halten wenigstens still, wenn kein Wind geht. Laut Umweltbundesamt liegen die Schallpegel genehmigter Anlagen deutlich unter menschlich kritischen Werten – und weit unter der Lärmkulisse eines Rasenmähers. Wer nachts bei offenem Fenster auf jedes Wummern lauscht, hört vermutlich auch die Schokolade im Kühlschrank rufen.
2. Sieht man Windräder bei Dunkelheit?
Nur, wenn sie einem den Schlaf nicht schon durch ihre Existenz rauben. Die roten Lichter blinken nicht mehr dauerhaft, sondern als Vorschrift seit 2025 nur dann, wenn tatsächlich ein Flugzeug in der Nähe ist – nennt sich Bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung. Man könnte also sagen: Das Windrad blinkt jetzt nur noch für die Piloten, nicht für den Nachbarn.
3. Fühlen sich Tiere gestört?
Ein Rotmilan empfindet Turbulenzen nicht als ästhetisches Problem, sondern als Herausforderung – und Wildschweine finden Zufahrtswege oft sogar bequem. Natürlich erfordert Windkraft Umweltverträglichkeitsprüfungen. Forschung zeigt aber: Die Mehrheit der Populationen gewöhnt sich an Anlagen, während Arten stärker von Lebensraumverlust durch Straßen- und Siedlungsbau bedroht sind. Fazit: Die Natur überlebt Windräder mit modernster Technik entspannter, als es manche Menschen tun.
4. Verändert Windkraft das Landschaftsbild?
Ja, so wie der Eiffelturm das Pariser Stadtbild verändert hat – und trotzdem kommen Touristen. Landschaften wandeln sich seit Jahrhunderten: von Ackerbau über Strommasten bis Glasfaser. Nur sind Windräder wenigstens hübsch ehrlich – man sieht, dass sie etwas Nützliches tun.
5. Windräder im Wald – eine Katastrophe?
Nicht ganz. In Deutschland stehen über 20% aller Windräder auf forstwirtschaftlichen Flächen, vor allem an bereits gut erschlossenen Stellen. Wird eine Anlage gebaut, muss ein Ausgleich geschaffen werden, also entweder die gleiche Fläche wieder aufgeforstet oder an anderer Stelle ökologisch aufgewertet werden – Pflicht, nicht Kür. Der Wald verliert also keine Seele, sondern gewinnt mit den sanften Riesen grüne Partner bei der CO₂-Reduktion.
6. Wie hoch ist so ein Windrad?
Bis zu 260 Meter – imposant, stimmt. Aber wer sich über „Industrie-Eiffeltürme“ aufregt, sollte kurz an die Stromtrassen zwischen jedem Dorf denken. Technik war noch nie klein, wenn sie etwas Großes leistet – zum Beispiel den Strom für Wärmepumpen, Zugverkehr und eben das abendliche Netflix-Drama.
7. Weht genug Wind?
Im Nordschwarzwald? Ehrlich? Ja. Sonst würde kein Betreiber Millionen investieren. Moderne Windräder mit großen Rotordurchmessern nutzen selbst bei 5 m/s Windgeschwindigkeit rentabel Energie. Schwachwindgebiete sind längst keine Windstille mehr – nur windige Vorurteile.
8. Wieviel Platz braucht ein Windrad?
Die Standfläche selbst? Etwa so groß wie ein mittelgroßes Einfamilienhaus. Die „1 Hektar“-Angabe meint Bauphase inklusive Kranfläche – danach wird fast alles wieder renaturiert. Zwischen den Türmen bleibt Platz für Wald, Wanderer und Wild. Und nein, der Förster hat noch genug Wald übrig.
9. Wie lange wird gebaut?
Ein halbes Jahr – was in Baubehördendeutsch schon „express“ heißt. Nach 12 Monaten grünt die Fläche wieder, während unter der Erde leise der Strom Richtung Steckdose rauscht. Und der eigentliche Lärm? Meist von den Diskussionen, nicht von den Baggern.
10. Wer profitiert davon?
Alle, die Strom nutzen. Also wir alle. Kommunen können an den Erträgen beteiligt werden, Bürgerenergiegesellschaften bieten Beteiligungen – das nennt man demokratische Energiegewinnung. Subventionen? Die fossilen Brennstoffe waren seit Jahrzehnten das eigentliche Sparschwein und das Geld floss auch an Autokraten und Diktatoren. Wenn wir hier bei uns Windräder erstellen, können wir das gesparte Geld auch sinnvoll in den Aufbau unserer lokalen Infrastruktur hier bei uns einsetzen. Windstrom erhält heute Marktpreise – kein Taschengeld vom Staat mehr.
11. Ist das Trinkwasser in Gefahr?
Nicht wirklich. Beim Betonieren werden keine Chemikalien in Quellen gepumpt. Wasserbehörden prüfen jeden Standort. Laut Umweltbundesamt gibt es keine belegbaren Fälle, in denen Windräder Trinkwasser verunreinigt hätten. Wenn überhaupt, gefährden eher Klimawandel und Dürre die Wasserversorgung – und gegen die hilft bekanntlich: mehr Erneuerbare.
Fazit:
Wenn Mythen Energie erzeugen würden, bräuchten wir keine Windräder. Aber solange heiße Luft noch keine Turbine antreibt, sollten wir beim Thema Windkraft lieber auf Fakten des jeweiligen Vorranggebietes setzen – und auf frischen Wind statt auf alte Geschichten.
