Prima Klima! Episode 19: Warum wir Grossspeicher brauchen!

In dieser Folge geht es um die Bedeutung von elektrischen Grossspeicheranlagen, die wir zur Abfederung von fluktuierender Einspeisung von PV und Windkraft benötigen. Neben der Netzstabilisierung helfen diese Puffer die Redispatchkosten und den Einsatz von fossilen Kraftwerken zu minimieren.

Herzlich willkommen zu einer neuen Episode unserer Hörserie!

Heute geht es um die Frage:

Warum sind Großspeicher so wichtig für die Energiewende?

Großspeicher sind zentrale Bausteine für eine erfolgreiche Energiewende. Sie helfen dabei, die
Schwankungen bei Wind- und Sonnenstrom auszugleichen und das Stromnetz zu stabilisieren,
was mit zunehmendem Anteil erneuerbarer Energien immer wichtiger wird. Während der
Netzausbau oft hinterherhinkt, sind Speicher die erste Wahl, um fluktuierende Einspeisung
abzufedern und die Versorgung zu sichern.^1_1

Großspeicher funktionieren ähnlich wie Heimspeicher bei PV-Anlagen: Sie nehmen Überschüsse
in Spitzenzeiten auf und geben diese zurück, wenn sie gebraucht werden – zum Beispiel abends.
In großen Anlagen bedeutet das, dass weniger regenerative Energie abgeregelt werden muss und
die teuren Kosten für Eingriffe ins Stromnetz (Redispatch) sinken. Doch wie viel Speicherkapazität
brauchen wir? Ist der Ausbau wirtschaftlich? Und reichen die geplanten Speicher aus – auch für
längere Phasen ohne Wind und Sonne, sogenannte Dunkelflauten?^1_3

Status Quo: Zahlen und Projekte

Aktuell sind in Deutschland rund 22 GWh Batteriespeicher installiert, davon knapp 3 GWh als
Großspeicher für das Netz. Pumpspeicherkraftwerke bieten zusätzlich rund 38 GWh – ein Ausbau
dieser Technik bleibt aber wegen geografischer Einschränkungen in der BRD begrenzt. Im
Vergleich dazu haben europäische Nachbarländer im Norden und Süden oft bessere
Voraussetzungen, die wir tatsächlich heute auch schon nutzen.^1_7

Besonders Batteriespeicher legen rasant zu, weil die Kosten stark gefallen sind und sie neue
Geschäftsmodelle ermöglichen. Zu den aktuellen Großprojekten gehören Jänschwalde (4 GWh),
Grottendorf (30 MWh), Philipsburg (800 MWh), Gundremmingen (700 MWh), Bollingstedt und
Brandenburg mit je 240 MWh.

Bis 2030 werden Prognosen zufolge 50 bis 100 GWh zusätzliche Großspeicher diskutiert. Das
Fraunhofer ISE hält bis 2030 57 GWh für realistisch; für das Erreichen der Klimaziele bis 2050
müssten laut Fraunhofer Studien aber bis zu 180 GWh installiert werden – etwa das Zehnfache
des heutigen Stands. Geeignete Standorte sind vor allem bestehende Netzknoten und stillgelegte
Kraftwerke, weil dort bereits leistungsfähige Infrastruktur besteht. Der Platzbedarf ist mit etwa 50
qm pro MWh moderat, ein 1 GWh-Speicher benötigt circa 4–6 Hektar inklusive Technik.^1_9

Wirtschaftlichkeit und Nutzen

Großbatteriespeicher rechnen sich inzwischen: Betreiber profitieren von Strommarkt-Arbitrage –
dem Kauf von Überschüssen und Verkauf bei hoher Nachfrage – sowie von Erlösen aus
Systemdienstleistungen wie Regelenergie. Die Amortisationszeiträume liegen heute oft nur noch
bei 7 bis 8 Jahren. Auch für Endverbraucher wird das spürbar: Sinkende Netzengelte und
geringere Preisspitzen durch sogenannte Merit-Order-Effekte senken die Stromrechnung – um
etwa 1 bis 2 Cent pro kWh laut aktueller Studien.^1_5^1_7

Grenzen: Dunkelflaute und Versorgungssicherheit

Ein häufiger Irrglaube ist, dass Speicher allein für sichere Versorgung in langanhaltenden
Dunkelflauten ausreichen. Der tägliche Strombedarf in Deutschland liegt im Sommer bei rund
1.270 GWh, im Winter bei etwa 2.000 GWh. Selbst mit dem Ziel von 180 GWh Speicher in 2050
könnten wir bestenfalls ein paar Stunden puffern. Für Versorgungssicherheit sind künftig daher
flexible Kraftwerke und europäischer Stromaustausch notwendig. Moderne kombinierte Gas- und
Dampfkraftwerke, künftig potenziell wasserstoffbetrieben, sowie Bestandsanlagen wie Biogas und
Wasserkraftwerke bilden die Reserve. Power-to-Gas (Wasserstoff aus Überschussstrom) bleibt
eine Option, deren Wirkungsgrad allerdings begrenzt ist (30 bis 45%)

Fassen wir noch einmal zusammen:

Der dynamische Ausbau von Großspeichern ist essenziell für die Integration erneuerbarer
Energien und reduziert Netz- und Systemkosten deutlich. Speicher können jedoch keine
vollständige Reserve für langanhaltende Flauten bieten – ein kluger Mix aus Flexibilität,
Infrastruktur und europäischen Partnerschaften bleibt notwendig.^1 1 ^1_5 ^1_9

So, das war’s für heute! Ich hoffe, diese Episode hat euch einen Einblick in das Thema
Großspeicher und ihre Grenzen gegeben hat.

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für Energiethemen interessieren.

Habt ihr Fragen oder Anregungen?

Schreibt mir gerne!

Quellen:

  • [^1_1]: https://www.bbh-blog.de/alle-themen/erneuerbare-energien/grossspeicher-fuer erneuerbare-energien/ 
  • [^1_2]: https://www.ees-europe.com/podcast/urban-grossspeicher 
  • [^1_3]: https://www.unendlich-viel-energie.de/grossbatteriespeicher-ein-trumpf-in-der energiewende
  • [^1_4]: https://www.pv-magazine.de/2025/03/18/pv-magazine-podcast-zwischen-hype-und hope-grossspeicher-fuer-die-energiewende/ 
  • [^1_5]: https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/batteriegrossspeicher-boomen was-wirklich-zaehlt/ 
  • [^1_6]: https://open.spotify.com/episode/3MOs6eN9YNcM3G8Gce5EVG 
  • [^1_7]: https://www.windindustrie-in-deutschland.de/meldungen/studie-bedeutung-von grossbatteriespeichern-fuer-energiewende 
  • [^1_8]: https://podcasts.apple.com/be/podcast/großspeicher-boom-werden-netzbetreiber überrollt-dr/id1535601147?i=1000706067610 
  • [^1_9]: https://www.energiefirmen.de/news/nachrichten/artikel-39084-grossbatteriespeicher-als schluessel-zur-energiewende-marktentwicklung-und-herausforderungen-im-fokus 
  • [^1_10]: https://www.youtube.com/watch?v=r52Sxc9uJp0

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