Simmozheim: Drei Minuten Lesezeit – Ein Appell an unser Gewissen

Zukunft für Simmonzheim Quelle: www.simmozheim.de

Liebe Simmozheimerinnen und Simmozheimer,

bitte stellen Sie sich einen Moment vor: Sie stehen an Ihrem Lieblingsort hier in unserer Umgebung. Vielleicht am Waldrand, auf unserem „Hörnle“ oder einfach in Ihrem Garten. Ich denke wir alle lieben diese Beständigkeit, das schöne Gefühl von Natur und Freiheit. Aber wenn wir tief und ehrlich in uns reinhören, spüren wir auch, dass sich die Welt um uns herum verändert: Die Sommer werden heißer, die Wälder leiden und die Unsicherheit wächst. Wenn wir heute über Windkraft sprechen, dann ganz sicher nicht, um die Landschaft zu zerstören! Nein! Wir wollen das bewahren, was wir lieben! Wir bauen diese Anlagen nicht gegen die Natur, sondern für ihr Überleben.

Viele von uns empfinden bei großen Windrädern ein Unbehagen. Das ist völlig menschlich.

Denn Veränderung macht Angst.

Aber lassen Sie uns über eine andere Angst sprechen: Die Angst vor Abhängigkeit. Die Angst davor, dass unsere Energiepreise von Krisen am anderen Ende der Welt diktiert werden. Windkraft hingegen kann uns diese Angst nehmen. Sie gibt uns die Kontrolle zurück! Warum betrachten wir ein Windrad in unserer Nachbarschaft nicht als ein Symbol dafür, dass wir unsere Energie selbst in der Hand haben? Es ist ein Stück Unabhängigkeit für uns und unsere Nachkommen. Denn eines ist sicher: der Wind schickt keine Rechnung!

Viele von Ihnen fragen sich sicherlich:

„Müssen die Dinger so groß sein?“

Meine Antwort ist eine Gegenfrage: „Was sagen wir unseren Enkeln im Jahr 2050?“ „Hm, ach weißt Du, wir fanden einfach die Aussicht wichtiger als eure Lebensgrundlage“. Oder können wir sagen: „Wir hatten den Mut, das Landschaftsbild ein Stück weit zu verändern, damit ihr eine Welt erbt, in der man noch gut leben kann“? Es geht hier um einen Generationenvertrag.

Die Windkraft ist unser Versprechen an die Jugend, dass wir die Verantwortung nicht wegdelegiert haben.

Ein großer Teil des Widerstands entsteht meist, wenn wir uns übergangen fühlen. Es liegt in der Natur des Menschen Neues oder Veränderungen eher zu akzeptieren, wenn wir bei Entscheidungen eine Stimme, ein Mitspracherecht haben. Deshalb darf Windkraft kein Projekt von anonymen Konzernen sein. Nein! Es müssen unsere Windräder werden. Durch beispielsweise Bürgerenergieparks könnten wir alle profitieren – nicht nur ökologisch, sondern auch im eigenen Geldbeutel. Denn wenn das Windrad sich dreht, sinken – im Falle eines solchen Projektes – die Stromkosten im Dorf, Vereine bekommen neue Förderungen, Infrastruktur, Schulen, Kindergärten und Angebote für die Jugend können ausgebaut werden. So kann aus diesem „Fremdkörper“ein Teil unserer Gemeinschaft werden!

Wir alle sind stolz auf unsere Ingenieurskunst.

Wir haben das Auto erfunden, wir haben Maschinen in die ganze Welt geschickt. Warum eigentlich empfinden wir diesen Stolz nicht auch bei der Windkraft? Diese Anlagen sind Meisterwerke der Technik. Sie nutzen eine Kraft, die seit Urzeiten da ist, völlig kostenlos und sauber. Wir sollten eigentlich mit Stolz auf diese „Türme“ blicken und sagen:

„Hier entsteht die Energie der Moderne. Wir sind Teil der Lösung, nicht Teil des Problems.“

Ja, ein Windrad verändert den Horizont. Doch schauen wir mal genauer hin: Ein Windrad auf einem Hektar Land produziert ein Vielfaches mehr Energie als die gleiche Fläche Biomasse und ist garantiert ökologisch wertvoller als ein Tagebauloch. Wir schützen Vögel und Fledermäuse heute mit intelligenter Technik, die abschaltet, wenn Gefahr besteht. Wir lernen, mit der Technik im Einklang zu leben. Unsere Kinder wachsen damit auf, erleben es von klein auf als Selbstverständlichkeit, mit ihrer Umwelt pfleglich umzugehen, sie zu wahren und zu schützen.

Es ist ein Prozess der Versöhnung zwischen unserem Hunger nach Energie und dem Respekt vor der Schöpfung.

Hinter leider häufig kursierender Mythen über das „Schreckensgespenst Windrad“ steckt oft die Angst vor dem Unbekannten. Doch wenn wir unseren Blickwinkel erweitern und dazu bereit sind, diese Mythen mit dem aktuellen Stand der Technik von 2026 abzugleichen, werden wir erkennen:

Die Windkraft ist eine sichere und verantwortungsbewusste Technologie.

Was den anstehenden Bürgerentscheid hier in Simmozheim angelangt, ist es wichtig, dass wir uns alle darüber im Klaren sind, dass es hier lediglich um die Bereitstellung von Simmozheimer Flächen geht und nicht um ein generelles Windkraft-Nein! Denn wenn wir SimmozheimerInnen keine Flächen freigeben, stoppt das den eventuellen Bau von Windkraftanlagen auf landeseigenen und privaten Flächen keineswegs! Vielmehr bedeutet ein „Nein“, dass wir uns als Gemeinde selbst die Möglichkeit nehmen, an der Mitgestaltung teilzuhaben!

Ein „Ja“ hingegen ermöglicht uns, selbst als Partnerin – beispielsweise in Form von Pachteinnahmen – Einfluss zu nehmen!

Am Ende geht es jedoch um eine Entscheidung des Herzens und die Frage:

Wollen wir ZuschauerInnen des Wandels oder seine GestalterInnen sein?

Stimmt, Windkraft ist nicht perfekt. Aber sie ist derzeit das ehrlichste und mutigste Angebot, das wir für eine friedliche, saubere Zukunft haben.

Lassen Sie uns nicht darüber streiten, was uns trennt, sondern darüber sprechen, was wir mit einem „Ja“ gewinnen können:

Saubere Luft, bezahlbaren Strom und das gute Gefühl, das Richtige getan zu haben.

Für unsere Heimat, für unsere Kinder, für unsere Zukunft.

Ein herzliches Dankeschön!

Heike Roller, Simmozheim

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