Vor kurzem erhielt die Klimainitiative Gechingen eine Zuschrift von Herrn Franz Groll, welcher sich intensiv mit dem Thema Windkraftanlagen (WKA) in unserer Region auseinandergesetzt und uns seine detaillierten Erkenntnisse übermittelt hat. Er hat Besuche bei bestehenden Windkraftanlagen in der Umgebung unternommen, um die tatsächlichen Auswirkungen auf Landschaft und Umwelt selbst zu überprüfen. Diese fundierte Recherche möchten wir gerne mit der Bevölkerung teilen, da sie eine wertvolle Grundlage für die anstehenden Diskussionen bietet.
Zuschrift von Franz Groll
Sehr geehrte Mitglieder der Klimainitiative Gechingen,
vor einigen Tagen bekamen die Haushalte von Gechingen das Flugblatt der Bürgerinitiative „Gechingen Bewahren“. Die erste Seite wird von der Fotomontage mit dem Titel „Unser künftiger Blick von Gechingen“ dominiert. Da ist mir sofort aufgefallen, dass es sich um einen Täuschungsversuch handelt, denn dieses Foto ist nicht von einer Stelle in Gechingen aus aufgenommen, sondern es ist ein modifiziertes Luftbild mit geschwärztem Himmel und falsch positionierten und zu mächtigen Windkraftanlagen.
Da zwischen Oberreichenbach und Calmbach vor kurzem 2 Windkraftanlagen (WKA) aufgebaut wurden, und bei Langenbrand 3 WKA stehen, die in den Jahren 2023/24 installiert wurden, bin ich dort hingefahren, um zu sehen, wie diese WKA wirklich die Landschaft und den Wald verändern und ob die Behauptungen der Windkraftgegner zutreffen. Auch die weiteren Aussagen über verdichtete Waldwege, Lärmbelästigung, Schattenwurf vom Turm und Rotorblättern wollte ich überprüfen.
Hier sind meine Erkenntnisse:
Der Eingriff in den Waldbestand ist beim Aufbau der WKA natürlich erheblich, für die beiden WKA bei Oberreichenbach wurden etwa 2,5 ha gerodet. Die Verbreiterung der Waldwege ist geringer als ich erwartet habe, nur in den Kurven muss für den Transport der Rotorblätter der Weg stärker verbreitert werden. Beide Anlagen sind noch nicht in Betrieb.


WKA 1 und WKA 2 in Oberreichenbach
Positiv überrascht war ich über den Zustand des Waldes bei den drei WKA in Langenbrand, wie aus den 2 Fotos ersichtlich ist. Die Zufahrt war nach einem Jahr schon wieder fast ein ganz normaler Waldweg, und nach der Aufforstung bleibt ein Waldverlust von etwa 0,4 ha pro WKA.


Zufahrt zu den 3 WKA bei Langenbrand und Aufforstung im Bereich einer WKA
Weitere Erkenntnisse:
Der Schall ist im unmittelbaren Bereich hörbar, es ist wie ein ganz normales Windgeräusch am Haus bei stärkerem Wind. Da die Sonne um 16 Uhr noch hoch stand, war der Schattenwurf nur in unmittelbarer Nähe sichtbar. Am Morgen und Abend ist das natürlich anders, wird aber Gechingen nicht betreffen, da Gechingen im Nordosten der geplanten WKA liegt.
Was das Problem der toten Vögel betrifft habe ich natürlich keine gefunden, die hätte der Fuchs vermutlich entsorgt. Ich habe deshalb beim BUND die Seite Argumente für Windenergie: Fakten statt Mythen aufgerufen. Hier steht: Expert*innen schätzen, dass circa einhunderttausend Vögel im Jahr durch Windräder getötet werden. Die Einschätzung für die Zahl der getöteten Individuen im Jahr durch Pestizide reichen von 60 bis 90 Millionen; Straßen- und Bahnverkehr fallen 70 Millionen Vögel im Jahr zum Opfer. Da sich die Rotoren langsam drehen, ist die geringe Zahl getöteter Vögel glaubhaft.
Sehr überrascht war ich darüber, dass die WKA nur von ganz wenigen Stellen aus sichtbar waren.
Mit diesen Erkenntnissen habe ich nun die Situation in Gechingen näher angeschaut. Am meisten Überrascht war ich, dass auch in Gechingen die geplanten WKA gar nicht von vielen Stellen aus sichtbar sein werden. Gut einsehbar ist der geplante Standort der WKA von der Mörike- und der Hölderlinstraße, von der Silcher – und von der Uhlandstrasse, sowie vom Wieselweg und vermutlich von einigen anderen Häusern im Gailer. Es folgen nun 2 Fotos von Gechingen und dazu passend Fotos von den WKA bei Oberreichenbach.


Blick von der Silcherstraße, 2,7km Entfernung von der geplanten WKA (links) und WKA in Oberreichenbach, Blick von Siehdichfür. 3km Abstand von der WKA. (rechts). Nur die obere Hälfte des Masts der WKA in Oberreichenbach ist sichtbar, da sie nicht am höchsten Punkt steht.


Blick von oberhalb des Berghofs in Gechingen, 5km Abstand zur geplanten WKA (links) und WKA bei Oberreichenbach aus 5km Entfernung (rechts)
Noch ein Wort zum Schutz der Wasserversorgung aus der Quelle im Bereich Birklen/Egert: Im Quelleinzugsbereich befinden sich etwa 260 ha Wald. In diesem Bereich sind 6 WKA geplant, für die etwa 2,4 ha Wald auf Dauer gerodet sind, das ist knapp 1 % der Waldfläche. Wenn diese Reduzierung tatsächlich einen Einfluss auf die Wasserversorgung hätte, könnte man im Bereich Birklen angrenzend an den bestehenden Wald 2,4 ha Wald aufforsten; z.B. hier:


Die Fläche nordöstlich des Feldweges sind etwa 2,5 ha, etwa die Hälfte davon ist landwirtschaftlich genutzt, der Rest ist Brach- und Buschland.
So weit meine Erkenntnisse über die Belastung der Umwelt und über die Veränderungen des Landschaftsbildes durch Windkraftanlagen.
Und jetzt noch ein paar Informationen zur zukünftigen Stromversorgung:
Damit die Klimaschutzziele noch erreicht werden, muss nach den Planungen der Bundesregierung und des Umweltbundesamtes der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf 438 Millionen Tonnen äquivalent CO2 reduziert werden. Der BUND und andere Klimaschutzorganisationen und Wissenschaftler sagen, dass dieses Ziel der Bundesregierung nicht ausreichend ist.
Aber selbst um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir in den kommenden Jahren den CO2-Ausstoß doppelt so stark reduzieren als im letzten Jahr. Im Jahr 2024 wurde der CO2-Ausstoß um 3,4 % auf 649 Millionen Tonnen reduziert. Um das Ziel für 2030 zu erreichen, müssen wir den CO2-Ausstoß jedes Jahr um 6,8 % reduzieren, also doppelt so viel wie im letzten Jahr. Das ist eine riesengroße Herausforderung und kann nur erreicht werden, wenn die Öl- und Gasheizungen auf strombetriebene Wärmepumpen umgestellt werden, wenn wir auf öffentliche Verkehrsmittel oder E-Autos umsteigen, und die Kohlekraftwerke durch Wind- und Solarstrom ersetzt werden. Aus diesem Grund hat die letzte Bundesregierung das Ziel vorgegeben, dass jeden Tag 5 neue WKA errichtet werden sollen.
Wir haben nur 4 Möglichkeiten für eine zukunftsfähige Stromversorgung, das sind: Wasserkraft, Solarenergie, Windkraft und in geringerem Umfang Bioenergie. Das sind die einzigen zukunftsfähigen Methoden zur Energieerzeugung, sie gibt es so lange wie die Sonne scheint. Alle anderen Methoden verbrauchen Rohstoffe, die die Erde in Millionen von Jahren gespeichert hat, sie sind alle endlich und reichen hoch geschätzt noch etwa 200 – 400 Jahre. Und was kommt danach?
Kohlekraftwerke müssen sogar wegen des Klimawandels allerspätestens innerhalb der nächsten 13 Jahre ganz ersetzt werden.
Eine Windkraftgegnerin habe ich gefragt, was ihre Alternative ist für die Erzeugung von Strom.
Sie sagte, dass es möglich sei, aus den Spaltprodukten in den Abgebrannten Brennstäben der Atomkraftwerke Energie zu erzeugen! Donnerwetter, das war mir neu. Ich wusste nur, dass in der Wiederaufarbeitungsanlage in La Haque (Frankreich) das nicht gespaltene Uran 238 und das entstandene Plutonium aus den abgebrannten Brennstäben wieder recycelt wird. Dass aus dem Abfall auch noch Energie erzeugt werden kann, wusste ich nicht. Daraufhin habe ich mich kundig gemacht.
Auf der Homepage des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) wurde ich fündig.
Es gibt einen Verfahrensvorschlag mit dem Namen Partitionierung und Transmutation (P&T), mit dem abgebrannte Brennstäbe behandelt werden sollen. In der Homepage des BASE steht jedoch, dass es sich dabei bislang nur um eine Theorie handelt, mit einigen Versuchen im Labormaßstab. Die Entwicklung dieser Methode würde Jahrzehnte dauern und würde den Aufbau von neuen, ganz anderen Atomkraftwerken erfordern. Das Gefährdungspotential dieser Atomkraftwerke wäre ähnlich hoch, wie bei den bisherigen Atomkraftwerken, und auch das Problem der Endlagerung wäre im Grunde gleich, es könnte jedoch sein, dass die Strahlungsgefährdung nicht mehr 1 Million Jahre dauern würde, sondern „nur“ noch einige 100 000 Jahre!
Fest steht, dass in den letzten 50 Jahren noch kein Endlager gefunden wurde, in dem die strahlenden Spaltprodukte für eine solch lange Zeit sicher gelagert werden können.
Ich glaube nicht, dass von vielen Menschen diese Art der Energieerzeugung gewollt und befürwortet wird.
Von den WKA-GegnerInnen wird auch die Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub, bzw. Mikroplastik von den WKA hervorgehoben. Dazu eine Information vom Fraunhofer-Institut über die Mikroplastik-Quellen.

Es erstaunt mich schon sehr, dass es WKA-GegnerInnen gibt, die die Gefährdung durch Atomstrahlen, die nur durch Bleiwände und ganz dicke Betonwände abgehalten werden können, weniger gefährlich einschätzen, als den Feinstaub, von WKA!
Wenn der Feinstaub tatsächlich so gefährlich wäre, müssten wir sofort aufhören Auto zu fahren.
Ich hoffe, dass mit diesen Informationen die Entscheidung für oder gegen die WKA etwas leichter fällt.
Einen „Wermutstropfen“ muss ich jedoch noch hinzufügen:
Auch bei zügigem Ausbau der Solar- und Windenergie, und der erforderlichen Stromspeicher, müssen wir den Verbrauch von Energie und Rohstoffen ganz erheblich reduzieren. Wir können nicht „einfach“ den gewaltigen Verbrauch von Energie aus Kohle-, Öl- und Gas durch erneuerbare Energien ersetzen, das wird nicht möglich sein. Wir müssen zusätzlich jede Möglichkeit der Reduzierung des Energieverbrauchs nutzen, sonst wird unsere Lebensweise nicht zukunftsfähig.
